Erfahre, wie du wackelige Kamerabewegungen in Videoaufnahmen ausgleichen und die Verkrümmungsstabilisierung gezielt auf bestimmte Objekte in einer Szene anwenden kannst. Lerne außerdem, wie du Stabilisierungen umkehrst, um ein Objekt mit der Verkrümmungsstabilisierung VFX in eine instabile Szene einzufügen.
Verwackelte Illustration einer Kamera

Aufnahmen, die mit einer Handkamera gemacht wurden, sind häufig verwackelt. Sofern dieser Effekt nicht als Stilmittel gedacht ist, wirst du die störende Bewegungen beseitigen wollen.

Mit der Verkrümmungsstabilisierung VFX in Adobe After Effects kannst du störende Bewegungen automatisch beseitigen. Die Bewegung ist bei der Wiedergabe flüssiger, da die eigentliche Ebene schrittweise relativ zur unerwünschten Bewegung skaliert und bewegt wird. (Der Effekt „Verkrümmungsstabilisierung VFX“ ersetzt den Effekt „Verkrümmungsstabilisierung“, der in vorherigen Versionen von After Effects verfügbar war.)

Bei der Arbeit mit diesem Auszug aus Adobe After Effects Classroom in a Book, herausgegeben von Adobe Press, wendest du die Verkrümmungsstabilisierung VFX auf einen verwackelten Clip an und lernst so die Arbeitsweise dieses Effekts kennen.

Bikubische Skalierung

Bei dieser Übung werden Sie das Beispielvideo skalieren. Wenn Videoaufnahmen oder Bilder skaliert werden, muss After Effects vorhandene Bildinformationen sammeln und fehlende Daten auf dieser Basis ergänzen. Sie können wählen, welche Sampling-Methode After Effects bei der Skalierung von Ebenen einsetzen soll.

In früheren Versionen von After Effects kam nur bilineares Sampling zum Einsatz. Das in After Effects CC neu eingeführte bikubische Sampling basiert auf komplexeren Algorithmen, die meist feiner abgestufte Farbübergänge in nahezu fotorealistischer Qualität erzeugen. Bilineare Skalierung eignet sich für Grafiken mit scharfen Konturen.

Um die Sampling-Methode für eine Ebene zu bestimmen, wählen Sie die Ebene aus und navigieren Sie zu „Ebene“ > „Qualität“ > „Bilinear“ oder „Bikubisch“. Bikubisches und bilineares Sampling steht nur für Ebenen zur Verfügung, deren Qualität auf „Beste“ eingestellt ist. (Um die beste Qualität für eine Ebene einzustellen, wählen Sie „Ebene“ > „Qualität“ > „Beste“.)

Dein Projekt einrichten.

Stelle beim Start von After Effects die Standardeinstellungen wieder her:

  1. Halte beim Start von After Effects die Tasten Strg+Alt+Umschalt (Windows) oder Befehl+Wahl+Umschalt (macOS) gedrückt. Die Standardeinstellungen werden wiederhergestellt. Klicke bei der folgenden Abfrage auf „OK“, um die Voreinstellungen zu löschen.
  2. Klicke auf „Schließen“, um den Startbildschirm zu schließen.
  3. After Effects öffnet daraufhin ein neues, noch nicht benanntes Projekt.
  4. Wähle „Datei“ > „Speichern unter“ > „Speichern unter“.
  5. Benenne das Projekt „Stabilize.aep“. Klicke auf „Speichern“.

Aufnahmen importieren.

Um das Projekt zu starten, musst du eine Aufnahme importieren. Lade die Beispieldateien zu diesem Tutorial herunter, um die einzelnen Schritte nachvollziehen zu können.

  1. Mit einem Doppelklick in eine leere Stelle des Projektfensters öffnest du das Fenster „Datei importieren“.
  2. Wähle in den Beispieldateien die Datei „flowers.mov“ aus. Klicke auf „Importieren“ bzw. „Öffnen“, um die Aufnahme in dein Projekt zu importieren (siehe Abbildung 1).
Dialogfeld „Datei importieren“ mit verwackelter Blumenaufnahme
Abbildung 1: Import der Datei „flowers.mov“ in das Projekt

Eine Komposition erstellen.

Beginne mit der Erstellung einer Komposition.

  1. Ziehe den Clip „flowers.mov“ aus dem Projektfenster auf den Button „Eine neue Komposition erstellen“ am unteren Rand des Fensters.
    After Effects erstellt eine neue Komposition mit dem Namen „Flowers“ und übernimmt dabei die Pixelgröße, das Seitenverhältnis, die Frame-Raten und die Dauer der Quelldatei.
  2. Klicke im Vorschaufenster auf „RAM-Vorschau“, um eine Vorschau der Aufnahme abzuspielen. Sobald der gesamte Clip abgespielt wurde, drücke die Leertaste. Dieser Clip wurde an einem späten Nachmittag mit einer Handkamera aufgenommen. Die Pflanzen bewegen sich leicht im Wind. Die Kamerabewegung ist eher unruhig.

Die Verkrümmungsstabilisierung VFX anwenden.

Durch die Aktivierung der Verkrümmungsstabilisierung VFX wird die Aufnahme analysiert. Die Stabilisierungsfunktion läuft im Hintergrund ab. Du kannst währenddessen an anderen Kompositionen arbeiten. Die Dauer des Prozesses hängt von der Leistungsfähigkeit deines Systems ab. Während der Analyse blendet After Effects ein blaues Banner ein. Bei der Stabilisierung wechselt dessen Farbe zu Orange (siehe Abbildung 2).

Anwendung der Verkrümmungsstabilisierung VFX auf die Blumen: erst Analyse im Hintergrund, dann Stabilisierung
Abbildung 2: Analyse und Stabilisierung der Aufnahme
  1. Wähle auf der Zeitleiste die Ebene „flowers.mov“ aus und danach „Animation“ > „Verkrümmungsstabilisierung VFX“. Das blaue Banner wird sofort angezeigt.
  2. Nachdem der Stabilisierungsprozess abgeschlossen wurde und das orangefarbene Banner verschwunden ist, starte erneut die RAM-Vorschau, um die Änderungen zu überprüfen.
  3. Drücke zum Beenden der Vorschau die Leertaste.

Der Clip ist zwar immer noch verwackelt, jedoch ist die Aufnahme flüssiger als vorher. Das liegt daran, dass die Verkrümmungsstabilisierung VFX die Aufnahme verschoben und neu positioniert hat. Im Fenster „Effekteinstellungen“ kannst du die angewendeten Änderungen detailliert sehen. Zum Beispiel wurden die Ränder des Clips auf ca. 103 % skaliert, um schwarze Lücken zu verbergen, die im Rahmen des Stabilisierungsprozesses durch die Neupositionierung entstanden sind. Die Einstellungen der Verkrümmungsstabilisierung VFX lassen sich an deine Anforderungen anpassen.

Einstellungen der Verkrümmungsstabilisierung VFX anpassen.

Du kannst im Fenster „Effekteinstellungen“ die Einstellungen ändern, um die Aufnahme flüssiger zu gestalten.

  1. Stelle im Fenster „Effekteinstellungen“ den Wert für „Glättung“ auf ca. 75 % ein.
    Die Verkrümmungsstabilisierung VFX startet sofort einen neuen Stabilisierungsprozess (siehe Abbildung 3). Da die Analysedaten noch im Arbeitsspeicher vorliegen, ist keine neue Analyse der Aufnahme notwendig.
Links: Einstellungen für Verkrümmungsstabilisierung VFX. Rechts: Die Aufnahme der Blumen wird stabilisiert.
Abbildung 3: Anpassen der Stabilisierungseinstellungen und Ergebniskontrolle
  1. Überprüfe deine Änderungen nach Abschluss des Stabilisierungsprozesses erneut in der RAM-Vorschau.
  2. Drücke die Leertaste, um die Wiedergabe zu beenden.
    Das Ergebnis ist besser, aber immer noch nicht zufriedenstellend. Im Fenster „Effekteinstellungen“ ist der Wert „Auto-Skalierung“ auf 103,7 % eingestellt. Der Effekt hat die Frames diesmal deutlicher verschoben, sodass eine höhere Skalierung erforderlich ist, um die schwarzen Lücken am Rand zu verbergen.
    Anstatt weiter an der Glättung der Aufnahme zu feilen, ändere jetzt die Zielvorgabe für die Verkrümmungsstabilisierung VFX.
  3. Wähle im Fenster „Effekteinstellungen“ im Menü „Ergebnis“ die Option „Keine Bewegung“ (siehe Abbildung 4).
„Effekteinstellungen“ zeigt Optionen für Verkrümmungsstabilisierung VFX. Für „Stabilisierung“ ist „Keine Bewegung“ ausgewählt.
Abbildung 4: Effekteinstellungen: Aktivieren der Option „Keine Bewegung“ im Menü „Ergebnis“

    Mit dieser Einstellung versucht die Verkrümmungsstabilisierung VFX die Kameraposition zu fixieren. Dazu ist eine noch höhere Skalierung notwendig. Mit der Auswahl der Option „Keine Bewegung“ wird die Option „Glättung“ ausgegraut.

  1. Sobald das orangefarbene Banner nicht mehr angezeigt wird, erzeuge eine neue RAM-Vorschau. Drücke zum Beenden der Wiedergabe die Leertaste.

Die Kamera behält nun ihre Position bei, sodass sich nur noch die Blumen im Wind bewegen, nicht aber die Kamera selbst. Um diesen Effekt zu erzielen, musste der Clip auf 112,4 % seiner Originalgröße skaliert werden.

Ergebnisse optimieren.

In den meisten Fällen ist die Standardanalyse völlig ausreichend, jedoch kann eine weitere Feinabstimmung der Ergebnisse notwendig sein. In diesem Projekt ist der Clip an einigen Stellen leicht verzerrt. Am deutlichsten erkennt man das um die 5. Sekunde. Bei flüchtiger Betrachtung ist dies kaum zu sehen, aber einem aufmerksamen Beobachter wird es auffallen. Ändere daher die Methode, die die Verkrümmungsstabilisierung VFX zur Beseitigung von Verzerrungen anwendet.

  1. Wähle im Fenster „Effekteinstellungen“ im Menü „Methode“ den Unterpunkt „Position, Skalieren, Drehung“.
  2. Wähle im Menü „Rahmen“ die Option „Nur stabilisieren“.
  3. Erhöhe den Wert für „Zusätzliches Skalieren“ auf 114 % (siehe Abbildung 5).

Hinweis: Das Skalieren einer Videoebene führt zu Qualitätseinbußen. Als Faustformel sollte der Wert für „Zusätzliches Skalieren“ 115 % nicht überschreiten.

„Effekteinstellungen“ zeigt Optionen für Verkrümmungsstabilisierung VFX. „Skalieren“ wird auf 114 % erhöht.
Abbildung 5: Effekteinstellungen: Erhöhen des Skalierungswertes
  1. Starte eine neue RAM-Vorschau.
    Die Aufnahme ist nun absolut ruckelfrei. Nur die Blumen wiegen sich weiterhin im Wind.
  2. Drücke zum Beenden der Wiedergabe die Leertaste.
  3. Um das Projekt zu speichern, wähle „Datei“ > „Speichern“.
  4. Wähle anschließend „Datei“ > „Projekt schließen“.

Öffne die Datei „Stabilize.mov“, die sich ebenfalls unter den Beispieldateien befindet. Sie demonstriert, wie eine perfekt stabilisierte Aufnahme aussehen sollte.

Wie du gelernt hast, hat die Stabilisierung einer Aufnahme ihren Preis: Um die Bewegungs- oder Drehungsänderungen auszugleichen, die einer Ebene hinzugefügt werden müssen, müssen die Frames skaliert werden. Dies führt jedoch häufig zu Qualitätseinbußen. Wenn du einen bestimmten Clip aber unbedingt für deine Produktion brauchst, dann ist er diesen Kompromiss auch wert.

Verkrümmungsstabilisierung VFX – Einstellungen.

Hier wird nur ein Überblick über die Einstellungen der Verkrümmungsstabilisierung VFX präsentiert, um dir den Einstieg zu erleichtern.

  • Über das Menü „Ergebnis“ steuerst du das gewünschte Ergebnis. Die Option „Ruhige Bewegung“ mildert die Kamerabewegung, schaltet sie aber nicht aus. Über die Einstellung „Glättung“ steuerst du den Grad der Glättung. Mit der Option „Keine Bewegung“ wird die bestmögliche Fixierung der Kameraposition erreicht.
  • Der Menüpunkt „Methode“ beinhaltet die komplexesten Operationen, die die Verkrümmungsstabilisierung VFX zur Stabilisierung von Aufnahmen durchführen kann. „Position“ greift ausschließlich auf Positionsinformationen zurück. „Position, Skalieren, Drehung“ verwendet eben diese Daten. „Perspektive“ setzt perspektivische Eckpunkte für den gesamten Frame. „Subspace-Warp“ (die Standardeinstellung) versucht eine Stabilisierung durch unterschiedliches Verkrümmen einzelner Frame-Bereiche zu erreichen.
  • Mit der Einstellung „Ränder“ bestimmst du, wie Ränder (die beweglichen Kanten) bei stabilisierten Aufnahmen behandelt werden. „Rahmen“ steuert das Aussehen der Kanten nach erfolgter Stabilisierung. Diese Option bestimmt, ob Kanten durch den Effekt zugeschnitten, skaliert oder durch Verwendung von Material aus benachbarten Frames synthetisiert werden sollen.
  • „Auto-Skalierung“ zeigt den aktuellen Wert der Auto-Skalierung an und bietet die Möglichkeit, hierfür Grenzen festzulegen.
  • „Erweitert“ bietet noch präzisere Steuerungsoptionen für die Verkrümmungsstabilisierung VFX.

Tipp: Komplexere Effekte erzielst du am besten über die erweiterten Einstellungen. Weitere Informationen hierzu findest du in dem Buch Adobe After Effects Visual Effects and Compositing Studio Techniques, herausgegeben von Adobe Press.

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