Der italienische Künstler Daniele De Nigris erschafft aus einfachen Kachelmustern unglaublich komplexe Designs, die Geometrie zur Kunst erheben. Bei seinen Mosaik-Kunstwerken, für die er Formen, Farben und Verläufe hinzufügt, entfernt und wiederholt, arbeitet er ebenso präzise wie methodisch. Sehen Sie hier, wie er das Bild geschaffen hat, das Adobe als Splashscreen für Animate CC 2017 gewählt hat.

Basismuster designen

De Nigris erstellt eine quadratische Kachel mit einem Muster, das an drei von vier Seiten des Quadrats fortgesetzt wird – daher der Titel „3/4“ seiner Arbeit. Dieses quadratische Muster bildet die Basis für sein Design. Es wird innerhalb der Komposition mehrfach wiederholt und gedreht.

Für sein Basismuster verwendet De Nigris Grundformen – ein gedrehtes Quadrat, parallele Geraden und konzentrische Ellipsen. Die Teile der konzentrischen Kreise, die außerhalb des Quadrats liegen, entfernt er mit der Pathfinder-Funktion „Fläche aufteilen“. 

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De Nigris weist den einzelnen Komponenten seines Musters bestimmte Grautöne zu. Anschließend erstellt er von der Basiskachel einen Kreuzschnitt, den er später für die Zusammensetzung größerer Musterabschnitte verwenden wird. Dazu dupliziert er ein leeres Rechteck von der linken oberen Seite der Kachel, bringt es in den Vordergrund und deckt damit die rechte untere Seite des Basismusters ab. Mit der Pathfinder-Funktion „Schnittmengenfläche“ erstellt er einen Teil des Hauptmusters. Er blendet diese zusätzliche Ebene aus, bis er sie braucht.

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Kacheleffekt durch Drehen und Wiederholen erzeugen

De Nigris kann nun damit beginnen, das große Muster-Design zu erstellen. Er dupliziert das ursprüngliche quadratische Muster und dreht es um 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn. Diesen Vorgang wiederholt er so oft, bis er vier Kacheln erstellt hat, die das interne quadratische Muster ergeben.

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De Nigris wiederholt dieses Muster aus vier Kacheln so oft, bis es sich über die Arbeitsfläche hinaus erstreckt. Anschließend kopiert er die Kreuzschnitt-Ebene mit dem zuvor erstellten Teil des Hauptmusters und platziert sie so, dass das Hauptmuster nahtlos an das Muster aus den vier Kacheln anschließt. Diese verbindende Ebene kopiert er weitere drei Male, dreht sie entsprechend und schließt damit die restlichen drei Seiten des 4-Kachel-Musters ab.

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 Muster einfärben

De Nigris erstellt eigene Farbfelder, die er für verschiedene Projekte verwendet. Sobald er seinen Formen Farben hinzufügt,
entfernt er die schwarzen Konturen.

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Mit Verläufen räumliche Tiefe simulieren

De Nigris wendet Verläufe auf einzelne Pfadsegmente so an, dass der Eindruck von Tiefe entsteht. Er geht dabei in mehreren Schritten vor. Zunächst legt er eine neue Ebene an und erstellt mit dem Radiales-Raster-Werkzeug mehrere konzentrische Kreise.

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Mit der Pathfinder-Funktion „Fläche aufteilen“ entfernt er alle Bögen bis auf die zwei, die den farbigen Teil des Kreises halbieren. Dann ändert er die Standardfarbe dieser Linien (Weiß) in einen linearen Verlauf ohne Fläche. Um den Verlauf zu glätten, gibt er als Position für den Start (Weiß) 1 % (nicht 0 %) und für das Ende (Schwarz) 99 % (nicht 100 %) an.

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Er erhöht die Konturstärke auf 52 Punkt, sodass der Zwischenraum zwischen den zwei Bögen mit dem soeben definierten sanften Verlauf ausgefüllt wird.

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Dann wählt De Nigris die Farben am Anfang und am Ende jedes Bogens aus, um den Verlauf einzufärben. Beim zweiten Bogen verfährt er ebenso.

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Er spiegelt die beiden Bögen vertikal, um den nächsten Viertelkreis zu erstellen. Auf die gleiche Weise fügt er einen Verlauf zur oberen Hälfte des Kreises hinzu.

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De Nigris schattiert die Hälfte der Kreise und spiegelt sie, um auch die andere Hälfte des Musters zu füllen. Er wiederholt diese Schritte für die Kurven der länglichen Segmente.

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Mit schwarzen Löchern Kontrast und Tiefe verstärken

Indem er Teile des Designs schwarz einfärbt, erzielt De Nigris einen starken Kontrast. Dazu wählt er die länglichen Ovale aus, kopiert sie und fügt sie auf der obersten Ebene ein. Er löscht die ursprünglichen Ovale und färbt die neuen schwarz ein.

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Um den Eindruck von Tiefe zu erreichen, definiert De Nigris einen Verlauf ohne Kontur für den Kreis in der Mitte des Musters. Er ersetzt die Start- und Endfarben des Verlaufs (Schwarz und Weiß) durch Farben über und unter dem Kreis und kehrt den Verlauf dann um.
Bei den anderen Kreisen im Muster geht er ebenso vor.

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Räumliche Wirkung verstärken

De Nigris lässt sein Design mithilfe von Tiefen dreidimensional erscheinen. Er zeichnet zwei Kreise und legt ein Rechteck darüber, das die Kreise in einem 45-Grad-Winkel an ihren Mittelpunkten miteinander verbindet. Mit dem Formerstellungs-Werkzeug wählt er den mittleren Bereich des Rechtecks (den schattierten Bereich im folgenden Bild) aus, um diesen zu bewahren, und löscht den Rest.

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Die noch ausgewählte Form füllt De Nigris mit einem schwarzen Verlauf, dessen Deckkraft in einem Winkel von 45 Grad von 100 % auf 0 % abfällt. Den Effekt verbessert er, indem er die Transparenzeinstellung auf „Multiplizieren“ und die Deckkraft auf 50 % setzt.

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 Linien und Struktur hinzufügen

Mithilfe des Angleichen- und des Formerstellungs-Werkzeugs fügt De Nigris parallele Geraden und konzentrische Kreise hinzu. Das Ganze rundet er mit einer gescannten Papierstruktur ab.

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Über den Künstler
Bereits in seiner Kindheit, die er in Bologna verbrachte, entdeckte Daniele De Nigris seine Liebe zu geometrischen Mustern und zur Kunst. Dank des Rückhalts seiner Familie und eines Kunstlehrers, der sein Potenzial bereits früh erkannte, konnte De Nigris seine kreative Leidenschaft zum Beruf machen und seinen persönlichen Stil entwickeln. 

De Nigris schöpft seine Inspiration aus seiner Umgebung – aus der Natur, Architektur oder Alltagsgegenständen. Er bewundert Künstler in aller Welt und liebt Kunstbücher – vor allem solche über geometrische Designs –, aus denen er viel lernt. Besonders beeindruckt haben De Nigris die Arbeiten des niederländischen Künstlers M. C. Escher, dessen Werke auf architektonischen und mathematischen Prinzipien beruhen.

De Nigris beginnt ein Projekt mit groben Skizzen auf Papier und konzentriert sich dann auf die Ideen, die ihn neugierig machen. Die zeitaufwendigste Phase in seinem Schaffensprozess ist die, in der er seinen Entwurf eingehend betrachtet und die Farben und Strukturen für das Design festlegt. Dann erstellt er seine Komposition mit Illustrator CC und Adobe Photoshop CC.

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10/16/2018
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