Lois van Baarle, Künstlerin mit „Pinselhänden“, mag Anime, französische Comics und den Jugendstil. Diese Einflüsse machen sich in ihren Werken ganz klar bemerkbar. Erfahren Sie, wie sie mit Pinseln in Adobe Photoshop CC Bilder malt, koloriert, Mischeffekte erzeugt und Feinkorrekturen vornimmt.

Umrisse skizzieren

Van Baarle fertigt zuerst mit einem druckempfindlichen Stylus auf ihrem Tablet eine grobe Skizze an, die sie dann übermalt. Sie wählt eine Farbe und einen breiten Pinsel aus und malt die Umrisse für Gesicht und Hals. Dabei variiert sie die Pinselgröße, um unterschiedlich breite Konturen zu erzeugen – breitere für das Gesicht und dünnere für das Haar. Anschließend ändert sie die Deckkraft der Ebene in 13 % und legt eine neue Ebene an. Auf der neuen Ebene arbeitet sie ihre Skizze aus, indem sie die Konturen mit einem abgeschrägten, dunkleren Pinsel nachmalt.

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Farbflächen erstellen

Nun macht sich van Baarle ans Kolorieren. Bei diesem Prozess, der aus mehreren Phasen besteht, gruppiert sie die zwei Ebenen mit Konturen und erstellt eine weitere. Dann zeichnet sie die Konturen der Skizze mit einer benutzerdefinierten Pastellkreide aus den Werkzeugvorgaben nach.

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Van Baarle koloriert am liebsten auf nur einer Ebene – das findet sie intuitiver, denn so muss sie nicht unterschiedliche Farben auf mehreren Ebenen im Blick behalten und kann flüssiger arbeiten. 

Zunächst konzentriert sich van Baarle auf die Hauptfarben. Das Verblenden folgt später. Sie füllt Haare und Kleidung mit Orange. Für die Hautpartien verwendet sie einen blassen Pfirsichton mit einem weichen, runden Pinsel. Mit der Funktion „Farbe ersetzen“ ändert van Baarle Toleranz, Farbton und Sättigung des Pfirsichtons, um damit die helleren Stellen im Gesicht zu definieren. Anschließend fügt sie blaue Akzente zum Haar hinzu und fixiert die transparenten Pixel auf der oberen Ebene, um die Farbe der weichen Kanten des Haares ändern zu können, ohne dass die Farbe in die restliche Arbeitsfläche „hineinläuft“. 

In dieser Phase variiert van Baarle laufend die Pinselgröße und nimmt bei Bedarf Korrekturen mit dem Radiergummi-Werkzeug vor.

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Im letzten Schritt arbeitet van Baarle einzelne Bildbereiche heraus. Sie ändert die Pinselfarbe und verleiht Wangen und Lippen mehr Tiefe. Mit dem Zauberstab-Werkzeug wählt sie das Rosa im Haar um das Gesicht aus und ersetzt es durch einen blasseren Pfirsichton. Dabei verwendet sie einen Pinsel mit geringer Deckkraft und legt mehrere Pinselstriche übereinander. Dann bemalt sie die Kleidung mit einer dunkleren Farbe und einem breiten, weichen Pinsel.

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Farben optimieren

Van Baarle verlässt sich beim Kolorieren auf ihre Intuition und Erfahrung. Sie wählt zuerst Farben aus. Dann verändert sie Einstellungen für Farbton, Sättigung und Helligkeit und wendet die selektive Farbkorrektur an, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist. 

Van Baarle dupliziert in regelmäßigen Abständen eine Ebene und bearbeitet diese neue Ebene weiter. Auf diese Weise dokumentiert sie die Entwicklung ihrer Zeichnung. Die vorherige Ebene zeigt das Bild in einem früheren Stadium und gibt ihr Anhaltspunkte, ob das Werk sich wie gewünscht entwickelt.

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Verläufe anwenden und Elemente transformieren

Mithilfe des Verlaufswerkzeugs verblendet van Baarle die Farbtöne der Wangen. Dann wählt sie ein Auge aus, transformiert und skaliert es und positioniert es neu. Van Baarle verfeinert Linien, Farben und Strukturen im Gesicht mit weiteren Pinselstrichen und fügt auf einer neuen Ebene Glanzpunkte für Wange und Auge hinzu.

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Die Details arbeitet van Baarle nun immer weiter heraus. Statt Tiefen und Lichter einzusetzen, gibt sie Haar, Haut und Augen durch unterschiedliche Farben mehr Tiefe.

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 Gesichtszüge verflüssigen und letzte Farbkorrekturen vornehmen

Gegen Ende der Bearbeitung streckt van Baarle mit dem Verflüssigen-Filter Teile von Auge, Mund, Kinn, Nase und Haar so, dass sich die Gesichtszüge kaum merklich, aber lebensecht verändern.

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Mit selektiven Farbkorrekturen für Haar- und Hautfarbe gibt van Baarle ihrem Werk den letzten Schliff und schließt es ab.

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Über die Künstlerin
Lois van Baarle kann sich gar nicht mehr erinnern, wann sie mit dem Zeichnen begonnen hat. Ihre ganze Schulzeit über bis zum College besuchte sie Kunstkurse, doch das Meiste hat sie sich selbst beigebracht. Inspiration für ihre Kunstwerke zieht sie aus Filmen, dem Internet und Spaziergängen in freier Natur.

Van Baarle setzt möglichst wenige Werkzeuge ein, um spontan kreativ sein zu können. Wenn sie sich für einen Pinsel entschieden hat, behält sie ihn meist während des gesamten Projekts bei, denn ein häufiger Pinselwechsel hält sie nur auf.

Van Baarle übt regelmäßig das Zeichnen und Schnellmalen, um ihre Fähigkeiten als digitale Malerin kontinuierlich zu verbessern. Beim Zeichnen sind ihr flüssiges Arbeiten und Ausdruck wichtiger als anatomische Präzision. Ihre Werke wirken daher auch nicht so starr. Früher waren ihre bevorzugten Werkzeuge (einfache) Bleistifte, Marker, Buntstifte und Kalligrafiestifte. Jetzt ist das Tablet ihr Ein und Alles – damit kann sie jederzeit und überall kreativ sein.

Zurzeit beschäftigt sich van Baarle hauptsächlich mit dem Designen von Figuren. Sie hat aber sowohl zum Zeitvertreib als auch beruflich schon Animationen erstellt. Im Moment arbeitet sie an der Produktion von zwei kurzen Animationsfilmen.

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09/07/2018

Kartendaten: Google
Musik: „May” von Birocratic

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