Dateibasierte Camcorder verschiedener Hersteller nehmen Video und Audio in Dateien oder spezifischen Formaten auf, die innerhalb spezifischer Verzeichnisstrukturen organisiert sind. Hierzu gehören Panasonic P2-Camcorder, Sony XDCAM HD- und XDCAM EX-Camcorder, CF-basierte Sony HDV-Camcorder und AVCHD-Camcorder.

Camcorder, die in einem dieser Formate aufnehmen, nehmen in der Regel auf Festplatte, optische Speichermedien oder Flash-Speichermedien, nicht auf Videokassette, auf. Diese Camcorder und Formate werden daher als dateibasiert oder bandlos und nicht als bandbasiert bezeichnet.

Video und Audio eines dateibasierten Camcorders sind bereits in digitalen Dateien enthalten. Es sind keine Schritte zur Aufnahme oder Digitalisierung notwendig, um sie in Premiere Pro zu nutzen. Das Lesen der Daten von dem Aufnahmemedium und deren Konvertierung in ein Format, das in Projekten verwendet werden kann, wird auch als Umwandlung bezeichnet. Premiere Pro wandelt Dateien auf einem zugehörigen Medium in eines dieser dateibasierten Formate um.

Adobe bietet Workflow-Leitfäden für P2-, RED-, XDCAM-, AVCCAM- und DSLR-Kameras und auf der Adobe-Website.

XDCAM- und AVCHD-Formate

Sie finden die Videodateien des XDCAM HD-Camcorders im Ordner CLIP, geschrieben im MXF-Format. XDCAM EX-Camcorder schreiben MP4-Dateien in einen Ordner namens BPAV.

Informationen über das XDCAM-Format finden Sie in einem PDF-Dokument, das auf der Sony-Website zur Verfügung steht.

AVCHD-Videodateien befinden sich im STREAM-Ordner. Weitere Informationen zum AVCHD-Format finden Sie auf der AVCHD-Website

Das Panasonic P2-Format

Eine P2-Karte ist ein Halbleiter-Speichergerät, das in den PCMCIA-Steckplatz einer Panasonic P2-Videokamera gesteckt wird, beispielsweise die AG-HVX200. Das digitale Video- und Audioformat von der Videokamera wird in einem strukturierten, Codec-unabhängigen Format namens MXF (Media eXchange Format) auf die Karte aufgenommen. Insbesondere unterstützt Premiere Pro die Panasonic Op-Atom-Variante von MXF mit Videos in den Formaten DV, DVCPRO, DVCPRO 50, DVCPRO HD oder AVC-I-Formaten. Ein Clip weist das P2-Format auf, wenn die Audio- und Videodaten in Panasonic Op-Atom MXF-Dateien enthalten sind. Diese Dateien befinden sich in einer spezifischen Dateistruktur.

Das Stammverzeichnis der P2-Dateistruktur befindet sich im Ordner INHALT. Jedes elementare Element (Bild- oder Tonelement) ist in einer getrennten MXF-Wrapper-Datei enthalten. Die MXF-Videodateien befinden sich im Unterordner VIDEO und die MXF-Audiodateien befinden sich im Unterordner AUDIO. XML-Dateien im CLIP-Unterordner enthalten die Zuordnungsmerkmale zwischen elementaren Dateien und den ihnen zugeordneten Metadaten.

Hinweis:

Premiere Pro unterstützt keine Proxys, die von Panasonic P2-Camcordern in PROXY-Ordnern von P2-Karten aufgezeichnet wurden.

Damit Ihr Computer P2-Karten lesen kann, müssen Sie den entsprechenden Treiber installieren, den Sie von der Panasonic-Website herunterladen können. Panasonic bietet außerdem die P2 Viewer-Anwendung, mit der Sie auf einer P2-Karte gespeicherte Medien durchsuchen und abspielen können.

Hinweis:

Um bestimmte Funktionen mit P2-Dateien zu nutzen, müssen Sie erst die Dateieigenschaften von „Schreibgeschützt“ auf „Lese- und Schreibzugriff“ ändern. Um beispielsweise die Timecode-Metadaten eines Clips mithilfe des Timecode-Dialogfelds zu ändern, müssen Sie die Dateieigenschaften zunächst auf „Lese- und Schreibzugriff“ ändern. Nutzen Sie den Dateiexplorer des Betriebssystems, um Dateieigenschaften zu ändern.

Avid-Aufnahmeformat

Die Bearbeitungssysteme von Avid erfassen Filmmaterial in MXF-Dateien, im Allgemeinen in einen Ordner mit dem Namen „Avid-Mediendateien“. Audiodateien werden in von Videodateien getrennten Dateien erfasst. Beim Importieren von Avid-Videodateien importiert Premiere Pro die zugehörigen Audiodateien automatisch mit. Im Allgemeinen ist es jedoch einfacher, Avid-Projektdateien im Advanced Authoring Format (AAF) zu importieren als einzelne Avid-MXF-Videodateien zu identifizieren und zu importieren.

DVD-Format

DVD-Camcorder und DVD-Recorder nehmen Video- und Audiodaten in MPEG-codierten VOB-Dateien auf. VOB-Dateien werden in einen VIDEO_TS-Ordner geschrieben. Optional können ergänzende Audiodateien in einen AUDIO_TS-Ordner geschrieben werden.

Hinweis:

Premiere Pro und Premiere Elements importieren oder entschlüsseln keine verschlüsselten DVD-Dateien.

Importieren von Assets aus dateibasierten Quellen mit Medien-Browser

Assets können von bandlosen Medien direkt in Premiere Pro importiert werden. Es ist jedoch effizienter, Inhalte bandloser Medien vor dem Import auf eine Festplatte zu übertragen. Auch die Wiedergabeleistung ist von einer dedizierten internen Festplatte oder einem RAID-Laufwerk viel besser als von einer Kamera oder einem Speicherkartenlesegerät. Es stehen größere Symbole zum Anzeigen einer Vorschau von Clips im Media-Browser zur Verfügung. Sie können scrubben und durch Bewegen der Maus scrubben, um ganz einfach eine Vorschau Ihres Filmmaterials anzuzeigen, bevor Sie es importieren. Nähere Informationen finden Sie unter Arbeiten in der Symbolansicht.

Verwenden Sie anstelle von „Datei“ > „Importieren“ den Media-Browser, um Dateien von bandlosen Quellen zu importieren. Im Media-Browser werden die relevanten Dateien in zusammenhängende Clips zusammengeführt. Irrelevante Nicht-Mediendateien, die sich manchmal in den Ordnern bandloser Medien befinden, werden hierbei nicht importiert.

Sie können ausgewählte Elemente direkt in das Projektfenster aus dem Media-Browser ziehen. Sie können Elemente auch auswählen und dann „Datei " > Importieren aus dem Media-Browser auswählen oder Sie klicken mit der rechten Maustaste und wählen dann „Importieren " aus dem Kontextmenü.

Hinweis:

Im Standardarbeitsbereich sind das Projektfenster und der Media-Browser am selben Fenster angedockt. In dieser Arbeitsbereichkonfiguration ist nicht offensichtlich, dass Sie Clips in das Projektfenster ziehen können, aber es geht. Um Assets aus dem Media-Browser in das Projektfenster zu importieren, wählen Sie die Clips aus, die Sie importieren möchten, und ziehen Sie sie dann auf die Registerkarte „Projekte“. Die Assets werden importiert.

  1. (Optional) Übertragen Sie den gesamten Inhalt von einem oder mehreren der folgenden Medien auf eine Festplatte: P2-Karten, Sony CompactFlash-Karten, XDCAM-Medien, XDCAM EX SxS-Karten, Camcordern mit Festplatte, DVDs oder AVCHD-Medien. Weitere Informationen zum Übertragen dieser Medien finden Sie unter Übertragen von Dateien.

    Hinweis:

    Für XDCAM EX müssen Sie den gesamten BPAV-Ordner und seinen Inhalt kopieren, nicht nur jeweils eine MP4-Datei.

  2. Falls der Media-Browser nicht bereits geöffnet ist, wählen Sie „Fenster“ > „Media-Browser“.

    Hinweis:

    Sie können den Media-Browser wie jedes andere Fenster in Premiere Pro verankern oder gruppieren.

  3. Wechseln Sie zu dem Ordner mit den Mediendateien.

    Im Media-Browser wird (je nach Format) eine Miniaturansicht oder ein Symbol sowie der Drehname jeder Aufnahme im Ordner angezeigt. Im Media Browser werden abgedeckte Clips und Metadaten von Aufnahmen aus den Unterordnern automatisch in einzelne Clips für jegliche dieser Formate zusammengeführt. Der Media-Browser zeigt verschiedene Sätze mit Metadaten für verschiedene Formate.

  4. (Optional) Zeigen Sie vor dem Import einer Aufnahme eine Vorschau an, indem Sie im Media-Browser auf die Aufnahme doppelklicken.

    Premiere Pro gibt den Clip im Quellmonitor wieder, ohne ihn in das Projektfenster zu importieren.

  5. Wählen Sie entweder „Datei“ > „Aus Browser importieren“ und ziehen Sie die Clips aus dem Media-Browser in das Projektfenster, oder ziehen Sie die Clips aus dem Media-Browser in ein Schnittfenster.

Das Asset bzw. die Assets werden als ganze Clips in das Projektfenster importiert.

Verteilte Clips

Wenn eine Aufnahme oder ein Take aufgezeichnet wird, die bzw. der mehr als die maximale Dateigröße eines Mediums benötigt, startet ein dateibasierter Camcorder eine weitere Datei und setzt die Aufzeichnung der Aufnahme in diese Datei ohne Unterbrechung fort. Dieser Vorgang wird als Clip-Stückelung bezeichnet, da sich die Aufnahme auf mehr als eine Datei oder einen Clip erstreckt. In ähnlicher Weise verteilt ein dateibasierter Camcorder eine Aufnahme gegebenenfalls über Clips auf verschiedenen Karten oder Datenträger, wenn mehrere Karten oder Datenträger eingelegt sind. Die Aufnahme wird aufgezeichnet, bis der Platz auf dem ersten Medium erschöpft ist. Dann wird auf dem nächsten Medium mit freiem Platz eine neue Datei begonnen und die Aufzeichnung der Aufnahme auf diesem Medium fortgesetzt. Obwohl eine einzelne Aufnahme oder ein einzelner Take in eine Gruppe von mehreren verteilten Clips aufgezeichnet werden kann, wird er als einzelner Clip behandelt.

Für P2 und XDCAM EX importiert Premiere Pro alle verteilten Clips als einzelnen Clip in einer einzelnen Aufnahme oder einem einzelnen Take. Es importiert alle Clips innerhalb einer Aufnahme auf eine Karte, sobald Sie Clips auswählen, vorausgesetzt, keiner der verteilten Clips fehlt und die entsprechende XML-Datei ist vorhanden. Wenn ein oder mehrere verteilte Clips aus einer Aufnahme fehlen, importiert Premiere Pro einen oder mehrere davon, je nachdem, wo sich die fehlenden Clips in der Aufnahme befinden.

Um eine Gruppe mit verteilten Clips zu importieren, wählen Sie eine aus und importieren Sie so alle darin enthaltenen Clips. Falls Sie mehr als einen verteilten Clip auswählen, importieren Sie Duplikate der gesamten Gruppe verteilter Clips als Duplikatclips im Projektfenster.

Falls die Gruppe verteilter Clips zwei P2- oder XDCAM EX-Karten umspannt, kopieren Sie die gesamten Verzeichnisbäume von beiden Karten auf die Festplatte in Ordner derselben Ebene, bevor Sie mit dem Import beginnen. Im Falle von P2-Medien können Sie auch Clips importieren, die zwei P2-Karten umfassen, falls beide Karten gleichzeitig in Ihrem Computer eingebaut sind.

Colin Brougham zeigt, wie Premiere Pro ohne zusätzliche Anwendungen mit bandlosen Medien arbeitet (ohne Transcoding). Lesen Sie dazu diesen Artikel auf der ProVideo Coalition-Website.

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